Graz – Marathon

Die Weiterfahrt nach Graz auf der A9 verläuft zunächst ruhig. Kurz vor dem letzten Tunnel vor Graz steht aber plötzlich der ganze Verkehr.  Laut Radio waren wohl Teile des Tunnels (oder etwas anderes) auf die Fahrbahn gefallen. Nach einer dreiviertelstunde ging es weiter. 

Den Stellplatz in Graz kennen wir vom letzten Jahr. Dann eine Überraschung: Unsere SAT-Schüssel war ausgefahren. Dabei haben wir diese seit Sonntag nicht mehr genutzt. Außerdem soll sie doch beim Anlassen des Motors selbstständig schließen. Rainer muss die Schüssel vom Strom nehmen, auf das Dach steigen und die Schüssel von Hand einfahren. Der SAT-Receiver ist defekt.

Wir richten uns auf dem Stellplatz ein und fahren mit dem Bus in die Stadt, um Startnummer und Start-Sackerl abzuholen. Bei der Abholung im Citypark ist noch nicht viel los.

Marathon 

Rainer: Der Marathon startet um 10 Uhr am Opernring in der Innenstadt und ich muss dorthin mit dem Bus fahren. Heute etwas komplizierter als sonst, da die Öffis nicht so fahren wie üblich. Am Hauptbahnhof muss ich umsteigen. Die Ersatzbusse sind natürlich rammelvoll. Die ganzen Marathonis müssen ja zum Start gekarrt werden. Der erste Bus hält zwar, aber da kommt keiner mehr rein. Den zweiten kapere ich einfach und hole mir ärgerliche Blicke. Mit mir schaffen es noch zwei weitere von den vielleicht 20 Wartenden in den Bus. Im Bus kann niemand mehr umfallen.  An der Oper steigen alle aus. Hier beginnt und endet der Marathon.

Der Startbereich ist schon gut gefüllt. Es werden weit über 10.000 Läufer erwartet. Aber nur ein kleiner Teil wird den Marathon laufen. Die meisten begnügen sich mit der Hälfte oder weniger. Es ist jetzt schon recht warm und ich lasse das Unterhemd im Starter-Sackerl. 

Der Lauf führt zunächst ein wenig Richtung Süden zur City Hall, dem Kongresszentrum. Hier gibt es eine erste, lange Begegnungsstrecke, wie es sie noch mehrmals geben wird. Wir laufen am Schlossberg mit der Riesenuhr vorbei und kommen durch langweilige Wohngebiete. Am nördlichen Punkt geht es bergauf, nachher wird hier km 35 sein und bergab werden wir Gegenwind haben. Die letzten Kilometer gehen mitten durch die Altstadt. Immer wieder gibt es Hot Spots mit vielen begeisterten Zuschauern. Motivationsschilder sind hier der große Hit wie „der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt“ – „Beeil Dich, das Bier wird warm“. Kurz vor der Weiche zur zweiten Runde werde ich vom Spitzenreiter überrundet. Mitten durch die Läufer hupt sich ein Motorrad und anschließend ein Quad, dem der Kenianer in einem irren Tempo folgt. Ich mache mich kurz darauf auf die zweite Runde. Es wird einsam und das ändert sich auch nicht mehr bis kurz vor dem Ziel. Allerdings sehe ich nun immer wieder meinen größten Fan – Heidi! 

Ab Kilometer 29 laufe ich zusammen mit Björn aus dem Ruhrgebiet. Das macht die weiteren Kilometer kurzweiliger.  Die letzten Kilometer melden sich immer wieder die Waden und ich muss längere Gehpausen einlegen. Es reicht aber trotzdem für einen Endspurt ins Ziel, den ich allerdings kurz darauf mit heftigen Wadenkrämpfen bezahlen muss! Ich muss mich auf den Boden legen und Heidi kämpft gegen den Krampf. Aufstehen kann ich nach einer Weile erst mit der Hilfe von Heidi und einem netten Helfer. 

Weiterfahrt über Oberösterreich nach Graz

Von Laaber aus ist es noch eine relativ lange Strecke nach Graz. Wir beschließen daher, auf einem schönen Campingplatz in der Nähe von Pettenbach zu bleiben. Rings um den Ort ist es ziemlich zersiedelt. Richtig große Höfe liegen wie hingeworfen verstreut. Vieles wird renoviert.

Wir wandern zunächst die Mostrunde.

Eine Rundwanderung von etwa 15 km. Der ausgewiesene Wanderweg ist zugleich Radweg und häufig gehen wir auf der Landstraße, alles ziemlich eben und asphaltiert. Die kleinen Landstraßen werden von den Einheimischen leider auch gerne als Rennstrecke benutzt. Zum wandern nicht gerade einladend.

Insgesamt kommen wir auf 150 Höhenmeter. Der Weg führt an vielen Obstwiesen vorbei mit vorwiegend Äpfeln und Birnen, daher wohl „Mostrunde“. Gegen Mittag rasten wir an der Alm, ein größerer Bach (oder kleinerer Fluss). Imposant steht immer wieder ein einzelner Berg über dem Tal.

Pettenbach selbst ist mit dem Fahrrad vom Campigplatz gut zu erreichen. Wir müssen ja auch wieder Vorräte auffüllen.

Weiterfahrt Richtung Österreich

Vierzehnheiligen 

Unser Treffen mit Geschwistern und Freunden neigt sich leider dem Ende. Am heutigen Sonntag treffen wir uns noch einmal zum gemütlichen Frühstück im Hotel Dormero – Ulrike und Herrmann nächtigen hier.  Wir räumen unseren Stellplatz, was ja inzwischen routiniert und zügig läuft. Noch einmal Entsorgung und Wasser tanken, dann fahren wir weiter nach Vierzehnheiligen.

Vierzehnheiligen ist eine Basilika, die unweit von Bad Staffelstein, eine knappe halbe Stunde von Coburg entfernt liegt. Wir wandern die kurze Strecke vom Parkplatz hinauf zur Wallfahrtskirche. Die spätbarocke Kirche wurde von Balthasar Neumann erbaut (1743-1772). Die Vorgeschichte der Basilika beginnt bereits im 15. Jahrhundert. Dort soll einem Schäfer das Jesuskind im Kreise anderer Kinder erschienen sein, die 14 Nothelfer. Die Nothelfer verlangten den Bau einer Kapelle an diesem Ort. Interessanterweise steht der Altar in der Mitte der Kirche. Den Rest des Tages lassen wir es gemütlich angehen. Rainer macht einen kleinen Lauf – wir sind ja auf dem Weg nach Graz zum Marathon…

Besuch bei Klaus und Monika in Laaber

Bei einem Zwischenstopp bei Berger in Neumarkt erstehen wir für unseren Detlef eine Innenisolierung für unsere Front. Bisher hatten wir uns bei Kälte mit Wolldecken geholfen.

Kurz darauf sind wir in Laaber bei Regensburg. Klaus kennen wir aus Würzburger Zeiten. Rainer hat mit ihm im Leutfresserweg gewohnt. Wir machen eine kleine Radtour durch das Tal der Laber und schauen uns noch in einem Skulpturengarten um. Hier gibt es vorwiegend Sitzgelegenheiten zum Ausprobieren.

Kulinarischer Rundgang und Schloss Ehrenburg

Für heute haben wir eine kulinarische Stadtführung organisiert. Wir nehmen das Fahrrad, um in die Innenstadt zu kommen. Ingrid und Michael haben leider auf die Mitnahme der Fahrräder verzichtet; sie müssen also wieder laufen. Wir haben heute keine Lust. 

Wir treffen uns pünktlich um 11:30 Uhr mit unserem Stadtführer Günther Wolf. Auch unsere Nürnberger Gerdi und Norbert sind jetzt dabei. Sie wollen sich den kulinarischen Rundgang nicht entgehen lassen.

Wir hören nun Geschichten über den Gurken-Alex, sowie über die Herstellung der Coburger Rutscher (Klöse). Wir erfahren, dass die Coburger Bratwurst im Rohzustand mindestens 31 cm lang sein muss. So lang wie der Marschallstab in der Hand des St. Mauritius, dessen Statue auf dem Rathaus ihren Platz gefunden hat. Mauritius ist der Schutzheilige der Stadt Coburg und seine Abbildung, der Mohr von Coburg, ist überall in der Stadt anzutreffen.

Auf dem Marktplatz dürfen wir dann auch eine solche, auf Kiefernzapfen geröstete Bratwurst kosten. Als weitere Spezialität kommen wir in den Genuss der Coburger Schmätzchen, eine Art Lebkuchen, und zum Abschluss erhalten wir von unserem Stadtführer einen Coburger Hof-Likör, einen Kräuterschnaps.

Zur Verdauung des Ganzen machen wir es uns am Marktplatz bei einem Kaffee gemütlich und überbrücken die Zeit bis zur Besichtigung der Kirche St. Moriz. Danach geht es in die Ehrenburg.

Hier lernen wir vor allem die Heiratspolitik der Coburger kennen. Eine ausgeklügelte Verheiratung war notwendig, Cousins und Cousinen hin und her, weil das Herzogtum unter chronischem Geldmangel litt. Das hat die Herzöge nicht davon abgehalten, sich mit Prunk zu umgeben.

Nach so viel Geschichte war wieder ein original fränkisches Essen angesagt. Also entweder Sauerbraten, Schäufele mit Rutscher oder Bratwürste. Rainer hat sich für „Gedöns“ (alles Mögliche und als i-tüpfelchen ein Spiegelei) entschieden. Dieses Mal sind wir in einem sehr alten Lokal, dem Goldenen Kreuz in der Herrengasse gelandet.

Wanderung zur Veste Coburg 

Nach vielen sonnigen Tagen hat es über Nacht geregnet und wir brechen bei Nieselregen zu unserer Wanderung auf die Veste Coburg auf. Ingrid und Michael wandern vom Stellplatz aus mit uns, die Freisinger und Gisela wollen wir auf der Burg treffen. Der Stellplatz befindet sich unterhalb der Veste, aber der Weg dorthin ist relativ lang und teilweise ziemlich steil.

Die Festung ist eine der größten Burganlagen Deutschlands. Martin Luther hielt sich 1530 für ein halbes Jahr auf der Veste auf, weil er nicht am Reichstag in Augsburg teilnehmen konnte und durfte. Coburg war zunächst Residenz und Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg (1586-1633). Später wurde ins Herzogtum Saalfeld geheiratet und 1826 entstand das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. 

Coburg gehört erst seit 1920 zum Freistaat Bayern. 

In der Festung ist ein Museum mit umfangreicher Waffen- und Rüstungssammlung und sonstigen interessanten Dingen untergebracht. Unter anderem ein sehr interessanter Raum, dessen Wände komplett mit Holz-Intarsien-Bildern ausgestattet sind.

Den Rückweg treten wir nach einem Besuch im Burgrestaurant über einen Treppensteig und den Hofgarten in die Altstadt an.

Coburg

Mit Frühsport sollst du den Tag beginnen! Ein paar Übungen vor dem Womo und schon ist der Rücken elastischer. 

Die Fahrt nach Coburg verläuft entspannt. Wir wollen uns dort mit Geschwistern und Freunden treffen.

Unterwegs melden sich Hamburg und Freising und zuletzt noch unsere Hockenheimer. Die ersten sind schon relativ früh im Hotel und kümmern sich bereits um unser Abendessen.

Wir sind immerhin die ersten auf dem Stellplatz mit Blick auf die Veste Coburg. Wir warten dort auf Ingrid und Michael und gehen dann zusammen zum Bräu-Stadl, wo wir bereits erwartet werden. Immerhin eine knappe halbe Stunde vom Stellplatz in die Stadtmitte von Coburg.

Im Bräu-Stadl gibt es typisch oberfränkisches Essen. Bratwurst, Sauerbraten, Coburger Rutscher (Klöse) und ein gutes Bier.

Bad Mergentheim

Heute verlassen wir das Neckartal und machen uns auf den Weg nach Bad Mergentheim. Normalerweise fahren wir hier ja weiträumig vorbei, aber dieses Mal wollen wir alte Freunde besuchen.

Wir tanken noch einmal richtig voll, zum Preis ohne Tankrabatt. Mal sehen, ob wir morgen ein paar Tränen verdrücken müssen. 

Die Fahrt verläuft über sanfte Hügel durch herbstliche Landschaften. Gegen Mittag erreichen wir Bad Mergentheim. 

Der Stellplatz dort ist ziemlich groß und gut ausgestattet. Wir radeln an der Tauber entlang zu EDEKA. Nach unserem Mittagessen im Womo machen wir uns auf den Weg zu Hanspeter und Sigi. Wir nutzen die Gelegenheit und schauen uns ein bisschen in Mergentheim um. Ein Schloss mit schönem Schlossgarten und eine einladende kleine Fußgängerzone. 

Hanspeter wohnt auf halber Höhe auf einem Hanggrundstück. Es wird ein langer, unterhaltsamer Nachmittag und Abend. Natürlich hatten wir uns viel zu erzählen über Reisen und was sonst so alles in den letzten 30 Jahren passiert ist. So lange haben wir uns nicht gesehen! Zum Abendessen werden wir in das Brauhaus der Herbsthäuser Brauerei eingeladen. Gute deutsche Küche und sehr gutes Bier.

Binau

Rainer: Drei Tage Action liegen hinter uns. Da dürfen wir uns heute ein wenig ausruhen. Ich baue das mobile Büro auf und kümmere mich um den Blog, und Detlefs Newsletter geht auf die Reise. Meine neue Road-Trip-Planungs-App wird mit den Skandinavien-Daten gefüttert, für den zweiten Versuch, das Nordkap zu erreichen.

Heidi wandert ein wenig durch den Ort Binau. Ich muss mal wieder die Laufschuhe anziehen. Für Läufer ist die Ecke hier wenig attraktiv. Ich laufe entlang der Bundesstraße zum nächsten Ort. Dabei benutze ich zwar einen Radweg, aber die Autos brettern ganz schön nah an mir vorbei. 

Heidi: Binau ist schon ziemlich winzig und sehr hügelig. Der Ort wurde 769 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Eine Ansiedlung gab es dort aber wohl schon in der Bronzezeit. 

Zur Stauferzeit entstand dort die Burg Dauchstein, deren Überreste bzw. Turm wir ja auch schon gesehen haben. Das Binauer Schloss, das im 18. Jahrhundert in der heutigen Form entstand, wird heute als Alten- und Pflegeheim genutzt. Auch die evangelische Kirche in Binau neben dem Schloss entstand 1783 in der heutigen Form. Angeblich sind darin Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert freigelegt worden. (Vgl. Wiki) Leider konnte ich die Kirche nicht von innen besichtigen. Sie war leider verschlossen.

Als kulinarisches Highlight gönnen wir uns an unserem letzten Tag hier in Binau einen Burger vom Streetfood-Stand am Eingang des Campingplatzes. Lecker mit Pommes und einem guten Bier.

Besuch bei Götz von Berlichingen

Die Burg Hornberg oberhalb von Neckarzimmern steht heute auf unserem Programm.

Wir laufen wieder den nun schon bekannten langen Weg hinauf zum Binauer Bahnhof an der Burg Dauchstein vorbei (zur Erinnerung ca. 2 km) und nehmen die S-Bahn nach Mosbach. Wir durchqueren die Altstadt hinauf zum südlichen Hügel über der Stadt, entlang eines wiederbelebten offenen Kanals, an dessen Ende ein Brunnen Wasser ausspuckt. Die Mosbacher hatten das Wasser irgendwann unterirdisch geleitet und dann aufgrund einer Stadtbilderneuerung den Kanal wieder sichtbar gemacht. So fließt jetzt das Wasser eine Straße hinab und verschwindet dann in einem Gulli.

Bald darauf sind wir wieder tief im Buchenwald und sehen außer Bäumen nicht viel. Wir stellen fest, dass wir uns wieder auf dem Neckarsteig befinden und irgendwann taucht die Neckar-Schleuse von Neckarzimmern auf. Bald darauf erreichen wir den Bergfried der Burg und das Nordtor.

Die Burg Hornberg ist sehr imposant und im Privatbesitz der Familie Gemmingen-Hornberg.

Hier oben, hoch über dem Neckar befindet sich innerhalb der Burgmauern ein Hotel und ein Restaurant.

Wir besichtigen das kleine Museum mit der eisernen Hand vom Götz von Berlichingen, der dort von 1517 bis 1562 (vgl. burg-hornberg.de) lebte. Neben der eisernen Hand sind auch Waffen und seine Rüstung dort ausgestellt. Natürlich darf sein Spruch nicht fehlen. (Siehe Bild) Anschließend besichtigen wir die Burgruine.

Wandern auf dem Neckarsteig

Heute wird gewandert. Rainer hat eine Tour über die Ruine Dauchstein bei Binau hinauf zum Neckarsteig und weiter nach Mosbach zusammengestellt.

Wir wandern einen Teil des Neckarsteigs, der dem ganzen Flusslauf folgt. Es geht immer wieder steil bergauf und genauso steil wieder hinab. Wanderstöcke sind hier durchaus hilfreich (Heidi). Immerhin erreichen wir so gut 400 Höhenmeter. Es geht vorbei an Herbstzeitlosen und komischen Gebilden an Bäumen. Die Bäume, insbesondere Buchen haben momentan auch auffällig gerillte Baumrinden.

Wir besichtigen Mosbach, das über viele wunderschöne Fachwerkhäuser verfügt und gönnen uns zum Abschluss noch ein Eis im Eiscafé Rialto.

Zurück nutzen wir die Deutsche Bahn und kommen pünktlich in Binau-Siedlung an. Vom Bahnhof aus dürfen wir noch zwei Kilometer zurück zum Campground laufen.

Wir sammeln Erlebnisse und keine Briefmarken