Da denke ich doch gleich an Henning Mankells Wallander. In den Krimis wird auch immer Ystad und überhaupt Schonen beschrieben. Es ist ein nettes Städtchen mit viel Kopfsteinpflastern und niedrigen Häuschen. Die Gehwege weisen große Längs-Platten auf, so dass auch Rollstuhlfahrer/innen und Leute mit Gehhilfen gut voran kommen können.
Vom Fährhafen aus kann man nach Polen und Bornholm fahren.
Wir schauen uns in der Fußgängerzone um und entdecken einen Laden mit fast ausschließlich Süßigkeiten. Da werden wir dann doch schwach und erstehen ein paar zuckerhaltige Suchtmittel.
Wir machen eine Radtour nach Ales Stenar. Mit viel Rückenwind brauchen wir ca. 1,5 Stunden am feinen Sandstrand entlang zu der Formation aus Hinkelsteinen, die die Silhouette eines Schiffes abbilden. Überwiegend radeln wir auf gut ausgebauten Radwegen und nur selten müssen wir uns den Weg mit Autos teilen. Vom kleinen Hafen des Orts Kaseberga steigen wir die letzten Meter über ein paar Treppen zu den Steinen hoch.
Das Gebilde soll 67 Meter lang und 19 Meter breit sein und besteht aus 59 Steinen. Die Bedeutung der Anlage ist wohl nicht genau geklärt. Angenommen wird, dass das nur ein Teil einer größeren Anlage ist. Manche sehen darin wohl auch so etwas wie einen Sonnenkalender aus der Bronzezeit (siehe Wiki).
Am Kantenabriss zum Meer freuen sich hier Gleitschirmflieger über den Wind. Sie fliegen direkt an der Kante entlang. Da muss man sich als Zuschauer auch manchmal ducken.
Die Fähre kommt pünktlich nach 6 Stunden Fahrzeit in Trelleborg an. Es dauert zwar ein wenig bis wir vom Oberdeck losfahren können aber dann sind wir schnell im Hafen und machen uns auf den Weg zum Stellplatz in Ystad, eine schwedische Gemeinde in Schonen. Eine gute dreiviertelstunde Fahrzeit. Es ist inzwischen dunkel geworden und so fahren wir erst einmal am Stellplatz vorbei bevor wir die richtige Einfahrt finden.
Die schönen Stellplätze mit Blick aufs Meer sind natürlich alle belegt. Wir parken daher in der 2. Reihe. Nachdem am nächsten Morgen einige gute Plätze frei werden wechseln wir nach dem Frühstück auf die andere Seite mit Blick über die Ostsee.
Von Malchow bis Rostock sind es noch knapp 100 km.
Wir haben die Nachmittagsfähre nach Trelleborg gebucht. Die zweite Möglichkeit wäre morgens um 7:30 Uhr gewesen. Da hätten wir schon um 5 Uhr losfahren müssen. So können wir im Hansa Center bei Rostock noch unsere Vorräte auffüllen. Natürlich sind wir zu früh am Fährhafen aber die ersten warten schon. Das Schiff ist noch nicht da. Wie immer, erst tut sich nichts und dann geht es schnell. Schließlich landen wir mit Detlef auf Deck 7 im Freien. Das Schiff legt pünktlich um 15:10 Uhr ab. Ein erster schwedischer Kaffee für 41 Kronen. Durch 10 teilen, dann passt es schon irgendwie.
So einen ruhigen Platz hatten wir lange nicht. Die Marina ist etwas abgelegen, kein Verkehrslärm, keine Landwirtschaft. Nur Vogelgezwitscher und Entengeschnatter. Wir haben uns für einen Rundweg um den Kölpinsee und Fleesensee entschieden, ca. 50 km. Die Radwege sind gut beschildert. Unterwegs sehen wir die ersten Kraniche, die sich leider nicht fotografieren lassen und kommen am Schloss Fleesensee in Gören-Lebbin vorbei. In Waren genießen wir unsere ersten Fischbrötchen der Saison. Wir waren schon einmal in Waren, aber so richtig erinnere ich mich nicht daran. Damals war es Herbst und laut Rainer ziemlich neblig.
Zurück am Stellplatz gibt es Kaffee und Rainer muss noch trainieren. Er hat sich zum Marathon in Graz im Oktober angemeldet
Der Verkehrslärm in Weimar stört uns nicht wirklich. Wir schlafen relativ lang. Zunächst überlegen wir über Schwerin nach Rostock zu fahren. Wir wollen dort mit der Fähre nach Trelleborg in Schweden übersetzen. Unterwegs entscheiden wir uns, einen Stellplatz an der Mecklenburgischen Seenplatte anzufahren. Wir landen in der Marina der Inselstadt Malchow. Ein sehr schöner ruhiger Platz direkt am Wasser. Das Wetter ist aber auch super. Eine kurze Radtour führt uns in den Ort. Wir landen auf den Monsterpflasterstraßen, die wir bisher nur im Osten unseres Landes kennengelernt haben. Riesen Pflastersteine. Selbst mit unseren Breitreifen macht das Radeln im Ort keinen Spaß. Die ungeduldigen Autofahrer sind wahrscheinlich genervt von den Wartezeiten an der Drehbrücke und natürlich von den langsamen Fahrradfahrern.
Heute wollen wir eine mittlere Etappe schaffen. Spontan beschließen wir, dass wir statt nach Magdeburg zu fahren in Weimar anhalten. Das sind knapp 200 km und gegen Mittag erreichen wir das Ziel. Unterwegs halten wir mehrfach an und überprüfen die Radschrauben. So ganz geheuer ist uns das Ganze noch nicht. Der Drehmomentschlüssel klackt immer aufs erste Mal. Alles gut!
Der Stellplatz in Weimar liegt mitten in der Stadt. Wir sind in knapp 10 Minuten bei den Herren Goethe und Schiller. Es ist nicht viel los. Im Sommer laden die Museen und das Schloss wahrscheinlich viele Touristen ein. Manche Stadtführung ist jetzt schon unterwegs.
Dieses Mal beginnt unsere Tour mit einem Abenteuer, das wir nicht noch einmal erleben wollen. Wir fahren zunächst nach Eßleben um an unserem lang geplanten großen Familientreffen teilzunehmen. Rainer als Hauptorganisator möchte natürlich bereits zur Vorbereitung am Freitagabend dabei sein.
Komische Geräusche und Vibrationen haben uns veranlasst gleich nach der Ausfahrt Heidingsfeld einen Parkplatz anzufahren. Die Überprüfung der Räder ergab aber nichts, so dass wir weiter gefahren sind. Und kurz nach Würzburg hat sich dann unser linkes Vorderrad dezent von uns getrennt, über die Mittelleitplanke gehüpft und an der Leitplanke der Gegenfahrbahn stehen geblieben.
Rainer hat sofort reagiert und glücklicherweise konnten wir auf dem Beschleunigungsstreifen einer Auffahrt stehenbleiben. Die bayerische Polizei war super. Die ersten beiden Polizisten brachten uns unser Rad wieder und die beiden nächsten haben zwei verlorene Schrauben wieder gefunden und Rainer beim Aufbocken und Anbringen des Rads geholfen bzw. die Aktion abgesichert. Der Abschlepper hat uns dann zur Location für die Feier gebracht.
Dank unserer lieben Verwandtschaft konnten die nun fehlenden Schrauben noch am Abend besorgt werden.
Wir wollten am Sonntag weiterfahren aber die Räder waren noch nicht 100%ig befestigt. Mit Hilfe des Inhabers einer dort ansässigen Werkstatt konnten wir schließlich am nächsten Tag unsere geplante Reise antreten.
Für den Nordamerika-Trip hatten wir uns entschieden ein Ersatzrad mitzuführen. Beim Ducato wird das Ersatzrad unter dem Fahrzeug hinter der hinteren Achse montiert. Über ein Zug wird das Rad in die Verankerung gezogen. Der Antrieb des Zugs liegt auf der rechten Seite und wird mit einer Ratsche in Gang gesetzt. Das Rad wird am besten von hinten zur Hinterachse geschoben. Da ist etwas mehr Platz, als wenn man von der Seite kommt.
Das Werkzeug besteht aus einer Ratsche, einem 22er Steckschlüssel und dem schwarzem Original-Fiat-Werkzeug. Die Ratsche nach rechts drehen lockert das Ersatzrad. Das Befestigungselement mit dem Zugseil wird verlängert. Die Ratsche links herum zieht das Zugseil ein und fixiert das Ersatzrad. Das Befestigungselement zieht das Ersatzrad in seine Halterung.
Die Ratsche wird in das Loch im gelben Kreis eingeführt.
Nach einigen Bewegungen der Ratsche nach rechts liegt das Befestigungselement auf dem Boden. Die Befestigungsschraube kann entfernt werden und das Befestigungselement wird durch das mittlere Loch der Felge geführt. Das Rad liegt mit der Außenseite auf dem Boden.
Die Ratsche nach links drehen und das Ersatzrad wird in die Halterung gezogen.
Eine Gasflasche ist mal wieder leer. Bei Temperaturen im Minusbereich brauchen wir alle 3-4 Tage eine neue Flasche. Wir fahren den ersten Baumarkt in Lübeck. Nein, große Flaschen haben wir keine mehr da. Auf der anderen Seite gibt es Hagebaumarkt, auch hier keine Flaschen zum tauschen. Okay, wir versuchen noch Hornbach, der liegt etwas im Norden. Aber auch hier nix. Aber der Kollege schlägt mir vor doch eine Hornbach Pfandflasche zu nehmen, kannste überall bei Hornbach zurückgeben. Wir sind gerettet.
Weiter geht es an Hamburg vorbei. Wegen Stau verlassen wir die Autobahn und schlagen uns ewig über eisige Straßen durch Hamburg durch. Dann geht es zügig nach Stade. Der Platz sieht gut aus. Es liegt Schnee. Wir suchen einen Platz mit einem Vorgänger aus der vergangenen Nacht und nutzen seine Spur zum einparken. Es schneit weiter.
Das schöne Stade besuchen wir im Schneegestöber. Es schneit fast die ganze Nacht.
Sonntag, 4.1. 2026
Die Rückenschmerzen werden schlimmer. Aber richtig los geht es mit dem Drama erst am Montag. Heute sind wir schnell in Bremen. Die Straßen sind schneefrei. Wir fahren durch weiße Norddeutsche Landschaft. Flach wie immer, aber voller Schnee. Der Stellplatz in Bremen ist kaum belegt. Wir können uns einen schönen Platz aussuchen und gehen anschließend spazieren. Bald sind wir an der Weserpromende. Es sind noch Reste des Weihnachtsmarkts zu sehen.
Stellplatz Kuhhirte in Bremen
Montag, 5.1.2026
Montag habe ich einen Termin bei GESTRA. Ich werde wieder ein wenig arbeiten und heute erhalte ich mein Arbeitswerkzeug. Aber davor muss ich noch aufstehen und mich anziehen. Das Anziehen ist dermaßen schmerzend, ich muss heulen und brüllen, aber irgendwann ist die Hose angezogen, die Schuhe geschnürt und die Jacke übergeworfen. Der Weg zur Straßenbahn lockert meinen Rücken und ich werde zuversichtlicher. Ulrike empfängt mich. Treppensteigen ist gar kein Problem. Die neuen Büros sind hell und alles ist freundlich eingerichtet. Die Schreibtische lassen sich auch im Stehen nutzen. In der Kantine räumt Ulrike mein Tablett auf während ich mich in die Senkrechte bemühe.
Mit Heidi treffe ich mich am Dom. Wir gehen noch Kaffee trinken und landen im Manufactum. Wie immer kaufe ich da etwas. Dieses Mal eine schicke Fahrradklingel für das Rennrad.
Dienstag, 6.1.2026
Die Fahrt war grausam. Keine Stunde Fahrt und ich musste auf einen Parkplatz und einige Übungen machen. Nach einigen Minuten war der Schmerz weg und wir konnten weiterfahren.
In Wetzlar finden wir einen schönen, ruhigen Stellplatz am Fluß Dill, der unweit von hier in die Lahn mündet. Wetzlar wird überragt von den Leitz-Werken. Das Museum heben wir uns für ein anderes Mal auf. Dieses Mal gehen wir im Städtchen ein wenig spazieren. Viele schöne Fachwerkhäuser.