Gestern Transfer ins Hegau und Heidi am Bahnhof von Engen abholen. Abends Spaghetti an Champions. Der Samstag empfängt uns mit Regen. Wir wandern in das Städtchen. Schönes, kleines mittelalterliches Stadtbild mit einigen Spezialgeschäften, die die Frage offen lassen: woher kommen die Kunden. Juweliere mit Ringen für weit über 1000 Euro, Uhrengeschäfte und Kleinkunst. Die Innenstadt ist weitestgehend leer.
Gestern hat es fast nur geregnet. Auch der Wind hatte noch etwas zugenommen. Womo aufräumen. Ein paar Ideen für meinen Trainingsplan 2021 sammeln. Gegen Mittag zeigt sich ein wenig die Sonne. Ich mache mich fertig und will gerade aufsitzen, da kommt wieder so eine Windböe mit einigen Regentropfen. Okay, das mit dem Radfahren lassen wir für heute. Ich bin ein wenig den Rhein auf und runter gejoggt. Rhein aufwärts ist der Uferweg schnell zu Ende, also wieder Richtung Waldshut. Langsam wird der Weg zur Hausstrecke.
Der heutige Tag entschädigt voll und ganz. Die Sonne scheint. Es ist noch einmal richtig warm. Also auf in die Berge. Rothaus, mindestens 1000 Höhenmeter. Ich lasse mir von Komoot eine Route vorschlagen. Leider war dem Routen-Autor nicht bekannt, dass die Landstraße hinter Gutenberg wegen Bergrutsch derzeit unbefahrbar ist. Ich habe daher einen großen Teil der Strecke rauf und runter fahren müssen. Halb so schlimm, wenn man das erste Mal in der Gegend ist.
Das Wetter hat es heute nicht gut mit mir gemeint. Laut Bericht Regen den ganzen Tag. Aber die Fahrt ist doch auch Ersatz für die eigentlich geplante Jakobs-Weg-Tour. Da würde ich auch bei fast jedem Wetter fahren müssen. Und schlechter als heute geht alle Mal. Tour-Bike fertig gemacht. Regenklamotten in die Gepäcktasche. Rund 90 km stehen an.
Eglisau am Rhein
Rüber in die Schweiz. Die Markierungen sind gut. Aber auch in der Schweiz muss sich der Radfahrer den Weg oft mit viel zu vielen Autofahrern teilen. Ein großer Unterschied: Schweizer Autofahrer scheinen Radfahrern gegenüber toleranter sein.
Das Wetter wird schlechter. Es regnet und regnet. Mir wird kalt. Die Füße frieren ein. Die Oberschenkel sind eisig. Wie soll ich das bis Schaffhausen aushalten. Ich habe doch erst 20 Kilometer geschafft. Aber wozu gibt es Regenschutz-Klamotten. Also in die neue Vaude Hose schlüpfen und die Vaude Kamaschen um die Schuhe binden. Die alte Regenjacke überziehen. Mittlerweile vergilbt, aber immer noch dicht!
Oh Wunder, mir wird warm und trocken! Irre der Unterschied. Von Aufgeben keine Spur. Ich fahre bis Schaffhausen und schaue zum wiederholten Mal den Rheinfall an. Dieses Mal mit richtig viel Wasser.
Der Rheinfall, was sonst?
Auf der Rückfahrt hört der Regen auf. Ich darf die Regenklamotten wieder einpacken. Aber jetzt meldet sich der Wind. Oft ist selbst auf dem kleinsten Ritzel kaum Vortrieb zu spüren. Der Schnitt ist heute elendig aber nach knapp 90 km bin ich wieder im Womo.
Immer wieder schaut das Alpenpanorama durch
Tja, gegen Ende verlässt einen schon einmal die Konzentration. Eine steile, schmale Abfahrt mit scharfer Rechtskurve lässt mein Vorderrad wegrutschen und unweigerlich folgt ein Sturz. Mein rechter Beinling ist hin. Großes Loch auf Kniehöhe. Ich komme mit leichten Schürfwunden am Knie davon. Das Fahrrad hat außer ein paar Kratzern am Lenker nichts abbekommen.
Für weitere Touren brauche ich Beinlinge. Also ganz schnell noch in den Ort laufen. Und schon das erste Sportgeschäft hat ein paar schöne warme Beinlinge. Auch der Rest von Waldshut ist absolut sehenswert. Ein nahezu unberührtes mittelalterliches Städtchen!
Gestern war ich in Sachen PSK unterwegs – Assistenz-Übungsleiterlehrgang in Merzhausen und Heitersheim. Mal sehen, was daraus noch wird. Der Kurs war nicht nur geistig sondern auch körperlich anstrengend. Vor allem das Schwimmen hat mich geschlaucht. Da liegt noch viel Arbeit vor mir.
Übernachtet habe ich unweit vom Schulungsort – in Müllheim. Der Ort passt hervorragend ins Tourkonzept. Orte anfahren, die ich vom Namen nach kenne. Müllheim liegt an der A5, unweit der Schweizer Grenze. Hundert Mal vorbeigefahren, nie reingeschaut. Dabei ist das ein richtig lebenswerter Ort. Mit schöner Fußgängerzone und netten Wohngegenden. Und alles sehr ruhig.
Burg Rötteln
Nächster Punkt – Lörrach. Hier steht Badens drittgrößte Burg! Ganz gut erhalten. Lohnt einen Besuch. Sicht muss bei gutem Wetter überwältigend sein. Da dürfte einen das Alpenpanorama schier erschlagen. Na ja, heute ist alles grau, düstere Mittelalter-Stimmung.
Heute letzter Tag am Kaiserstuhl. Der Tag beginnt kühl und regnerisch. Bis Mittag nutze ich die Bettlandschaft im Heck und grüble über Trainingspläne, Pulsbereiche und Synchronisation zwischen diversen Garmin Devices. Gegen eins kommt die Sonne raus. Der Notplan heute nur zu joggen ist schnell verworfen. Die Kaiserstuhl-Pass-Tour soll es sein. Mindestens 5 Passhöhen, steiler, steiler, steiler geht nicht.
Pause am Vogelsang, unterhalb des Totenkopfs
Da die Straßen noch Naß sind, kommt heute das Touren-Bike zu Ehren. Fünf Kilo mehr und noch ein wenig Gepäck. Mal sehen, ob ich damit die Berge raufkomme? Zunächst 15 km eben, aber deutlich mehr Gegenwind wie gestern. Zwanziger Schnitt nicht machbar ohne den Puls nach oben zu jagen. Schon in Bötzingen wird es steil. Das kleinste Ritzel bleibt bis oben die erste Wahl. Man ist das Bike schwer. Gestern ging das alles deutlich leichter! Der Vogelsang-Pass ist geschafft. Die Oberschenkel glühen. Und Du willst noch 4 weitere Höhen packen? Nee, das wird heute nichts. Hinunter nach Oberbergen. Das liegt nicht auf einem Berg, das liegt im Tal! Von hier geht es nur nach oben! Also ein zweiter Pass muss sein. Die Schellinger Matte erklimme ich mit letzter Kraft. Aber die Gegend lohnt den Schmerz alle mal!
Große Tour um den Kaiserstuhl. Von Riegel erst einmal immer Richtung Süden, den Stuhl zur Rechten. Bei Tiengen geht es rechts ab, nach Westen. Der erste kleine Hügel. Grausliche Kreuzung bei Grezhausen. Wo ist hier der Radweg? Ich will nicht auf die Bundesstraße! Nun geht es nach Norden. Der Kaiserstuh rückt näher, die Strecke bleibt flach bis Ihringen und dann geht es nach oben und will nicht mehr enden!
Meine aktive Flowserve-Zeit ist vorrüber. Noch einmal Zeit für etwas Neues. Das muss gut überlegt sein. Also erst einmal 4 Wochen Auszeit. Auch wenn Corona so manchen Plan für diese Periode über den Haufen geworfen hat – wir haben ein Womo. Ein besseres Mittel zu reisen, gibt es in diesen Zeiten nicht. Ich werde die nächsten Wochen in Deutschland bleiben und Orte besuchen, die ich bisher eher links liegen gelassen habe – aus was für Gründen auch immer.
Heute morgen um 10 Uhr bin ich aufgebrochen. Womo war schon voll einsatzbereit. Alles an Bord. Erstes Ziel Riegel am Kaiserstuhl – der Müller-See Campingplatz. Ich bekomme einen Platz direkt am See. Womo-Urlaub heißt auch immer: der Kühlschrank muss voll sein. Also auf das Rad und zum nächsten EDEKA. Danach will ich mich kurz aufs Ohr legen – oh, Schreck! Meine Kissen fehlen! Nur Heidi’s Kissen sind alle da. Das Bettzeug fehlte auf der Checkliste, also auch im Womo.
Unser Womo hat nach 2900 Frankreich Kilometern eine Vollreinigung auch außen verdient. Womo waschen ist nicht ganz ohne. Automatische Anlagen verbieten sich, die verkratzen die Fenster und blasen Wasser in die Auslassschächte. Also Handwäsche und viel Platz und auch das Dach strotzt vor Dreck.
Euro Truck Wash Karlsdorf
Im Internet habe ich die EuroTruckWash.de gefunden. Ist eigentlich eine große LKW-Waschanlage. Aber auf der Preisliste finden sich auch Womo-Kosten. 71 Euro wird der Spaß kosten. Dafür kümmert sich auch ein Mitarbeiter fast 45 Minuten um unseren Detlef. Also Zeit mitbringen. Es ist Dienstag, etwa 11:00, ein Fahrzeug vor mir in der Anlage. Gegen 12:30 bin ich fertig und bekomme ums Eck noch Diesel für 99 Cent den Liter.
7.7.21: Mittwoch-Mittag, nichts los, aber auch wenig Personal. Geht also auch nicht schneller. Zwei Stunden einplanen!
15.11.22: Dienstag, kurz vor 9 eingetroffen, lange Schlange vor mir. Danach kommt nur ein LKW. Eintreffen zwischen 10 und 11 könnte sinnvoll sein. Ich denke heute brauche ich 3 Stunden. Inzwischen kostet die Reinigung 88 Euro
8.3.23: Mittwoch, leichter Regen, bei der Abfahrt 2 Grad, gegen 10:30 eingetroffen. Bin der einzige vor den Toren. Aber wenig Personal im Einsatz. Fahre erst kurz vor 13:00 vom Hof. Preis unverändert.
26.6.23: Montag, heiß und sonnig. Ankunft 8:35. Ein LKW wartet, einer wird bearbeitet. Aber nur eine Person, die reinigt. Wartezeit etwa eine Stunde. Also wie fast immer. Womo wird sehr gründlich gereinigt.
Zum Abschluss noch zwei faule Tage am Lac Vassiviere. Irgendwo zwischen Limoges und Clermont-Ferrant. Fast in der Mitte Frankreichs. Der Tourismus kann sich hier nicht so recht entscheiden, ob er schon einmal bessere Tage gesehen hat oder ob er sich gerade erst entwickelt. Unser Campground scheint recht neu zu sein. Vieles ist noch recht rudimentär. Der Besitzer war vormals LKW-Fahrer und baut sich nun sein Alterseinkommen auf. Auf der anderen Seite sind Teile des Areals von ungenutzten Gebäuden belegt, die sicher vor 30-40 Jahren eine Blütezeit erlebt hatten. Empfangsgebäude, Seminarhalle und Appartmenthäuser verrotten leer vor sich hin. Der nächste Lebensmittelladen ist mindestens 5 Kilometer entfernt und eher ein Tante Emma-Laden. Einen richtigen Supermarkt findet man erst nach 15 Kilometern in Peyrat-le-Chateau und das ist ein winziges Nest. Die Ecke ist stolz darauf schon mehrfach Teil der Tour de France gewesen zu sein. Die Route um den See ist nach dem alten Tourhelden Raymond Poulidor benannt und war mehrmals Zeitfahrstrecke. Den Rekord hält Miguel Indurain. Er umrundete den See in 29 Minuten und hat dabei 23,5 Kilometer zurück gelegt. Wir lassen uns etwas mehr Zeit und sind nach 1 Stunde und 15 Minuten wieder im Womo.
Ein Ort den jeder Deutsche kennen sollte. Trotz einer gewissen Frankreich-Affinität habe ich es erst heute geschafft Oradour-sur-Glane zu besichtigen. Im Juni 1944 haben deutsche Soldaten 642 Einwohner brutalst niedergemetzelt, erschossen, verbrannt. Frauen und Kinder wurden in die Kirche getrieben, die Kirche in Brand gesetzt. Alle Männer erschossen. Das Dorf wurde nicht wieder aufgebaut. Wir besichtigen es, wie es unsere Großväter verlassen hatten.